Ein Desktop-Computer zeigt ein Dateimanager-Fenster mit einer Liste von Dateien, einschließlich Archicad-Projektdokumenten und Ressourcen aus der Globalen Bibliothek, mit Details wie Name, Typ und Größe.

Globale Bibliothek vs. monolithische Bibliothek: Technologiewechsel in Archicad ab Version 28/29

Ab Archicad 28 wurde eine neue Bibliothekstechnologie eingeführt, die unabhängig von der Sprachversionen ist. Sie wird als globale Bibliothek bezeichnet und besteht aus einer Anzahl kleinerer Bibliotheksdateien, den Bibliothekspaketen.

Zur Abgrenzung von der alten Technologie werden die bisherigen nun monolithische Bibliotheken genannt.

Obwohl die globalen Bibliotheken bereits mit Archicad 28 auch in der deutschsprachigen Version eingeführt wurden, enthielt diese Version auch noch eine Version der bisherigen monolithischen Bibliothek der Version 27. Diese wurde in den Beispielvorlagen der Version 28 verwendet. Erst mit Version 29 erfolgte auch im deutschsprachigen Raum eine vollständige Umstellung auf die globale Bibliothek.

Eine klassische Migration von der monolithischen Bibliothek auf die globale Bibliothek ist aufgrund größerer technischer Unterschiede nicht möglich.

Dennoch können laufende Projekte in der Version 29 oder höher bearbeitet werden.

Monoliothische Migrationsbibliotheken

Um nicht zwingend ältere Archicad-Versionen auf dem Rechner behalten zu müssen, steht eine separat installierbare monolithische Migrationsbibliothek bereit. Sie beinhaltet alle notwendigen Bibliotheken ab Archicad 10.

Archicad 29 oder höher bietet bei der Bibliothekenmigration die Umstellung auf diese separate Installation der monolithischen Bibliotheken an.

Die Technik hinter der monolitischen Bibliotheken

Monolithische Bibliotheken beinhalteten typischerweise Bibliothekscontainer im LC-Format, sowie eventuell zusätzliche einzelne Dateien, in einem Ordner, der einem Archicad-Projekt über den Bibliothekenmanager zugewiesen wird.

Das LCF (Library Container Format) ist ein spezielles Dateiformat von Graphisoft und ein „Container“, der eine komplette Hierarchie von Bibliotheksdateien (wie GDL-Objekte, Texturen, Bilder und Makros) in einer einzigen Datei zusammenfasst.

  • Zweck: Es dient der effizienten Verwaltung und Verteilung von Bibliotheken. Statt hunderte Einzeldateien zu verknüpfen, wird nur eine .lcf-Datei geladen.
  • Vorteile:
    • Performance: Das Laden eines Containers ist 2- bis 3-mal schneller als das Laden einzelner Ordnerstrukturen.
    • Ordnung: Es verhindert, dass einzelne Objekte versehentlich gelöscht oder verschoben werden, da die interne Ordnerstruktur geschützt bleibt.
    • Schutz: Es erschwert die direkte Bearbeitung von Objekten durch Endanwender (da der Container erst entpackt werden müsste).
  • Erstellung: Nutzer können über das Menü Ablage > Bibliotheken und Objekte > Container erstellen eigene LCF-Dateien aus bestehenden Ordnern generieren.

Man kann LCF-Dateien grob mit ZIP-Archiven vergleichen.

Gemeinsamkeiten

  • Bündelung: Beide Formate fassen eine Vielzahl von Einzeldateien und eine komplexe Ordnerstruktur in einer einzigen Datei zusammen.
  • Dateigröße: Genau wie ZIP-Dateien sind LCF-Container oft komprimiert, was den Speicherplatz reduziert und den Datentransfer (z. B. per E-Mail oder Server-Upload) erleichtert.
  • Struktur: Die interne Verzeichnisstruktur (Unterordner für Texturen, Makros, GSM-Objekte) bleibt innerhalb der Datei exakt erhalten.

Die entscheidenden Unterschiede

Obwohl sie sich ähneln, gibt es zwei Hauptgründe, warum Graphisoft ein eigenes Format nutzt:

  1. Direkter Lesezugriff (Performance): Eine ZIP-Datei muss normalerweise erst komplett entpackt werden, damit ein Programm auf die Inhalte zugreifen kann. Archicad hingegen kann die LCF-Datei direkt lesen, ohne sie vorher auf die Festplatte zu entpacken. Das ist der Grund, warum das Laden von Bibliotheken als LCF deutlich schneller geht als bei losen Ordnern, insbesondere auch bei Netzwerkzugriffen.
  2. Schreibschutz & Integrität: In einer ZIP-Datei kann man (mit entsprechenden Programmen) meist einfach Dateien löschen oder hinzufügen. Eine LCF-Datei ist »geschlossen«. Um etwas zu ändern, muss man sie in Archicad explizit »entpacken«, die Dateien ändern und den Container neu erstellen. Das schützt die Bibliothek vor versehentlichen Manipulationen durch den Nutzer.

Man kann sagen: Ein LCF ist ein »ZIP-Archiv mit Express-Leitung«. Es bietet die Ordnung und Kompression eines ZIP-Archivs, ist aber speziell darauf optimiert, dass Archicad die Inhalte blitzschnell „durchleuchten“ und nutzen kann, ohne die Kiste vorher auspacken zu müssen.

Die Technik hinter den Bibliothekspaketen (Libpacks)

In den globalen Bibliotheken wird das neue Libpack-Format (Dateiendung .libpack) genutzt. Es ist die Weiterentwicklung des LCF-Formats und wurde mit Archicad 28 eingeführt.

Während ein LCF lediglich ein passiver Container ist, ist ein Libpack ein intelligentes Paket, das zusätzliche Logik und Metadaten enthält.

Technische Beschreibung des Libpack-Formats

Ein .libpack ist technisch gesehen eine Hülle, die meist folgende Komponenten enthält:

  • Der Kern (.lcf): Jedes Libpack enthält intern weiterhin eine .lcf-Datei, in der die eigentlichen GDL-Objekte und Texturen liegen.
  • package.info: Eine XML-Datei mit Metadaten (Name, Version, Build-ID, eindeutige GUID). Dies erlaubt Archicad, Bibliotheken präzise zu identifizieren und Updates besser zu verwalten.
  • Lokalisierungs-Daten: Dies ist der größte technische Sprung. Ein Libpack kann Sprachdateien (.po, .json) enthalten. Dadurch kann dasselbe Objekt in einem deutschen Projekt deutsche Parameter-Namen anzeigen und in einem englischen Projekt englische – ohne dass zwei verschiedene Objekte existieren müssen.
  • Parameter-Mapping (mappingDefinitions.json): Es erlaubt, Standardwerte für Objekte global festzulegen, die sich je nach lokaler Vorlage (Template) automatisch anpassen.

Die wichtigsten Vorteile von Lipback:

  1. Modularität: Statt einer riesigen „Monolith-Bibliothek“ gibt es viele kleine Pakete (z. B. nur für Möbel, nur für Fenster). Das macht Aktualisierungen schneller.
  2. Sprachneutralität: Ein „globales Objekt“ funktioniert überall; die Übersetzung wird einfach drübergelegt.
  3. Bessere Performance: Archicad lädt nur die Pakete, die wirklich benötigt werden.

LCF vs. Libpack: Der Vergleich auf einen Blick

FunktionLCF (Klassisch)Libpack (Neu)
InhaltReine GDL-Daten & OrdnerLCF + Metadaten + Logik
SprachenPro Sprache eine eigene DateiEin Paket für alle Sprachen
UpdatesGanze Bibliothek austauschenModulares Update einzelner Pakete
StandardwerteFest im GDL-CodeFlexibel über Mapping-Tabellen

Übersicht der in der deutschen Archicad Version verwendeten Bibliothekspakete

Um nicht unnötige Bibliothekspakete zu laden, erfolgt die Einbindung im Bibliothekenmanager nicht mehr über die Referenzierung auf einen Ordner, sondern auf einzelne Dateien. Im Folgenden finden Sie eine Auflistung derjenigen Bibliothekspakete, die standardmäßig in der deutschsprachigen Archicad-Version 29 Verwendung finden.

Name (Datei)Name anzeigen
Eingebettete BibliothekEingebettete Bibliothek
Annotation DACH.libpackBeschriftung DACH
Annotation Elements.libpackBeschriftungs-Elemente
Appliances.libpackVorrichtungen
Basic Shapes and Special Constructions.libpackEinfache Formen und Sonderkonstruktionen
Beds.libpackBetten
Cabinets and Shelves.libpackSchränke und Regale
Chairs.libpackStühle
Chimneys and Fireplaces.libpackKamine und Feuerstellen
Classical Architectural Elements.libpackKlassische Architekturelemente
Couches and Sofas.libpackCouches und Sofas
Curtain Wall.libpackVorhangfassade
Decoration.libpackDekoration
DIN 2D Symbols.libpackDIN 2D-Symbole
Doors and Windows DACH.libpackTüren und Fenster DACH
DW Macros.libpackDW-Makros
Electric Symbols.libpackElektro-Symbole
Essential Library.libpackBasis-Bibliothek
Fire Protection.libpackBrandschutz
Furniture Layouts.libpackMöbelkonfigurationen
Furniture Macros.libpackMöbel-Makros
GHS Hazard Pictograms.libpackGHS Gefahrensymbole
Graphic Symbols.libpackGrafische Symbole
Heating and Air-Conditioning.libpackHeizung und Klimaanlagen
Kitchen.libpackKüche
Light Sources.libpackLichtquellen
Medical Equipment.libpackMedizinische Geräte
MEP Library.libpackHKLSE Bibliothek
Object Macros.libpackObjektmakros
Office and School Equipment.libpackBüro- und Schulausstattung
On-Site Renewable Systems.libpackErneuerbare Energiequellen vor Ort
Opening Symbols.libpackÖffnungssymbole
People.libpackMenschen
Plants and Outdoor Accessories.libpackPflanzen und Zubehör für den Außenbereich
Plumbing Fixtures and Bathroom.libpackSanitärarmaturen und Bad
Roof Constructions.libpackDachkonstruktionen
Skylights.libpackDachfenster
Sport and wellness.libpackSport und Wellness
Stair and Railing.libpackTreppe und Geländer
Steel Constructions.libpackStahlkonstruktionen
Sun Protection.libpackSonnenschutz
Surface Catalog.libpackOberflächenmaterialienkatalog
Tables.libpackTische
Transportation and Parking.libpackMobilität und Parken
Turning Curves.libpackSchleppkurven
Vertical Transportation Structures.libpackVertikale Transportbauteile
Wall Ends and Wall Structures.libpackWandabschlüsse und -aufbauten
Wall Extras.libpackWand-Extras
Wood Trusses.libpackHolzbau

Fazit: Strategiewechsel statt bloßer Formatumstellung

Mit der Einführung der globalen Bibliothek vollzieht Archicad keinen kosmetischen Versionsschritt, sondern einen fundamentalen Architekturwechsel im Bibliotheksmanagement.

Die monolithische Bibliothek auf Basis des LCF-Containers war technisch robust, performant und strukturell geschützt. Sie erfüllte ihren Zweck effizient, insbesondere in lokalisierten Umgebungen mit klar getrennten Sprachversionen.

Ihr konzeptioneller Nachteil lag jedoch in der fehlenden Modularität, der sprachgebundenen Objektstruktur sowie in der eingeschränkten Update-Flexibilität.

Die globale Bibliothek auf Basis des Libpack-Formats adressiert diese Limitierungen systematisch:

  • Sprachneutralität durch integrierte Lokalisierungsdateien
  • Modularität durch paketweise Struktur statt Gesamtcontainer
  • Versionierbarkeit und Update-Logik via Metadaten (GUID, Build-ID)
  • Template-abhängige Parameter-Mappings für flexible Standardwerte
  • Gezieltes Laden einzelner Pakete zur Performance-Optimierung

Eine klassische Migration ist aufgrund der unterschiedlichen technischen Paradigmen nicht vorgesehen. Daraus ergibt sich eine klare operative Empfehlung:

  • Laufende Projekte mit monolithischer Bibliothek abschließen
  • Neue Projekte konsequent mit globaler Bibliothek starten
  • Für Bestandsprojekte bei Bedarf die separat installierbare monolithische Migrationsbibliothek einsetzen

Mit Version 29 ist die Umstellung im deutschsprachigen Raum vollständig vollzogen. Die globale Bibliothek ist damit nicht nur die Zukunft, sondern faktisch der neue Standard.

Langfristig bedeutet das:

Mehr Konsistenz über Sprachgrenzen hinweg, bessere Wartbarkeit, granularere Updates – und eine deutlich modernisierte Bibliotheksarchitektur.

Der Wechsel ist weniger ein Upgrade, sondern ein Systemwechsel.

Häufige Fragen zu den neuen Bibliotheken (Libpacks) ab Archicad 28/29

Ab welcher Version ist die globale Bibliothek Standard?

Die globale Bibliothek wurde mit Archicad 28 eingeführt.

In der deutschsprachigen Version erfolgte die vollständige Umstellung jedoch erst mit Archicad 29.

Archicad 28 (DE) enthielt noch die monolithische Bibliothek der Version 27 in den Beispielvorlagen.

Kann ich ein Projekt von der monolithischen auf die globale Bibliothek migrieren?

Nein, eine klassische Migration ist technisch nicht möglich.

Die zugrunde liegende Architektur unterscheidet sich grundlegend (LCF-Container vs. Libpack-Struktur mit Metadaten-Logik).

Empfehlung:

  • Laufende Projekte mit der monolithischen Bibliothek abschließen.
  • Neue Projekte ausschließlich mit der globalen Bibliothek starten.
Kann ich alte Projekte trotzdem in Archicad 29 weiterbearbeiten?

Ja.

Archicad 29 oder höher kann Projekte mit monolithischer Bibliothek weiterhin öffnen.

Dafür steht eine separat installierbare monolithische Migrationsbibliothek zur Verfügung, die alle Bibliotheken ab Archicad 10 enthält.

Diese kann parallel installiert und im Bibliothekenmanager referenziert werden.

Warum wurde die monolithische Bibliothek ersetzt?

Die monolithische Bibliothek war:

  • sprachabhängig
  • als Gesamtcontainer organisiert
  • nur vollständig aktualisierbar

Die globale Bibliothek bietet dagegen:

  • Sprachneutralität
  • modulare Paketstruktur
  • gezielte Updates einzelner Bereiche
  • bessere Versionsverwaltung durch Metadaten

Der Wechsel erhöht Wartbarkeit, Skalierbarkeit und internationale Konsistenz.

Müssen ältere Archicad-Versionen parallel installiert bleiben?

Nein.

Wenn ausschließlich die monolithische Bibliothek für Altprojekte benötigt wird, kann die separate Migrationsbibliothek installiert werden.

Eine parallele Installation alter Archicad-Versionen ist nicht zwingend erforderlich.

Was bedeutet die Umstellung organisatorisch für Büros?

Empfohlene Vorgehensweise:

  • Projektstruktur definieren (Alt vs. Neu)
  • Vorlagen konsequent auf globale Bibliothek umstellen
  • Schulung der Mitarbeiter zur neuen Paketlogik
  • Bibliothekenmanager sauber konfigurieren (keine Ordnerreferenzierung mehr)

Die Umstellung ist weniger technisch komplex als strukturell konsequent umzusetzen.

Ist die globale Bibliothek langfristig verpflichtend?

Ja.

Mit Archicad 29 ist die globale Bibliothek der neue Standard.

Die monolithische Struktur dient ausschließlich der Bestandspflege.

Zukünftige Entwicklungen werden ausschließlich auf der Libpack-Architektur basieren.

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